Ich bekomme auf Instagram wirklich so, so oft Fragen zu meinem Psychologiestudium und habe daher beschlossen, diesen kleinen Mini-FAQ zu erstellen, damit ihr alle Fragen und Antworten auf einem Blick einsehen könnt.

Vorab aber noch: das meiste, von dem ich hier berichte, beruht auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen und Interessen. Das heißt, das andere vermutlich ganz andere Erfahrungen mit dem Studium machen als ich. Was mir schwer gefallen ist, kann anderen leicht fallen. Was mir nicht gefallen hat, kann anderen gut gefallen. Andersrum genauso. Deshalb soll euch dieser Post höchstens einen kleinen Input geben, aber absolut keine Entscheidungshilfe sein! Die Entscheidung für oder gegen ein Studium ist keine leichte und sollte nicht von einem einzelnen Blogpost abhängig gemacht werden. Trotzdem werde ich mir Mühe geben, eure Fragen möglichst neutral zu beantworten! Wenn ihr noch weitere Fragen habt, dann schreibt mir sehr gerne einen Kommentar unter diesem Post.

Wie weit bist du jetzt im Studium und wo studierst du?

Ich bin im 4. Mastersemester und habe noch die Masterarbeit, 2 Klausuren und ein Praktikum vor mir. Ich bin also schon relativ am Ende angelangt. Meinen Bachelor habe ich in Köln gemacht, meinen Master mache ich jetzt in Bonn und pendele mit der Bahn dorthin. Als Nebenjob berate ich noch Psychologiestudierende was die Zulassung, Stundenpläne etc. angeht.

Muss man für Psychologie nicht einen total guten NC haben?

Kurz gesagt: Ja! Wirklich. Das ist leider so und wird sich vermutlich auch nicht ändern, solange das Studium so beliebt bleibt. In den Großstädten (Berlin, Hamburg, Köln etc.) sollte man definitiv einen NC haben, der zwischen 1,0 und 1,3 liegt, so unfair wie ich das persönlich empfinde. Ich hatte auch keinen Einserschnitt im Abi, sondern nur 2,1 und bin über einen Härtefallantrag durch meine Schwerhörigkeit in das Studium reingekommen. Ich hatte übrigens während des Studiums kein einziges Mal das Gefühl, dass ich weniger schlau / kompetent / interessiert / geeignet bin, als meine Kommilitonen mit einem oberen Einserschnitt. Insofern empfinde ich die Abiturnote als völlig ungeeignetes Zulassungskriterium. Das persönliche Interesse und die Motivation sollte doch das Wichtigste am Studium sein. Da sich aber vermutlich erstmal wenig daran ändern wird, sollte man andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen, wenn man über den NC voraussichtlich nicht zum Studium zugelassen wird. Die Alternativen, die ich kenne sind: Studium im Ausland ohne NC-Begrenzung, Fernstudium (z.B. an der Uni Hagen, man kann mit sehr gutem Bachelorabschluss dann auch einen klinischen Master studieren kann oder man wechselt während des Studiums den Ort an eine Präsenzuni mit klinischen Inhalten), Wartesemester (oft werden mindestens 6 Jahre benötigt) oder Privatuni.

Da ich mit diesen Wegen selbst keine Erfahrungen gemacht habe, kann ich darüber leider nicht so viel berichten, wie ich es gerne würde. Ich habe nur über Freunde und Bekannte erfahren, dass jeder Weg seine gewissen Nachteile mit sich bringt, ob diese jetzt finanziell (Privatuni), persönlich (Studium im Ausland weg von Freunden und Familie) oder reines Bangen (hoffen, dass man an eine Präsenzuni wechseln kann) sind. Bei den Masterplätzen sieht es leider ebenfalls ähnlich aus, sodass man einen NC zwischen 1,0 und 1,6 braucht, um überhaupt in Deutschland einen Masterplatz zu bekommen. An manchen Universitäten bekommt man aber auch Extrapunkte, wenn man z.B. einen Test macht oder bestimmte Module belegt hat. Meine Erfahrung aus beinahe 5 Jahren Studium und Kontakt zu vielen anderen Studierenden sagt mir eigentlich: irgendwie kann man es schaffen. Wenn Wille, Motivation und das in Kauf nehmen von eventuell nicht so tollen Rahmenbedingungen gegeben sind.

Macht man im Studium wirklich nur Mathe?

Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da es je nach Universität ein größerer Schwerpunkt auf Statistik liegen kann. Grundsätzlich enthält der Bachelor 2 reine Statistikmodule mit 2 Prüfungsleistungen (also Klausur in Statistik 1 und Statistik 2) und der Master ein Statistikmodul mit Prüfungsleistung (Klausur in Multivariate Statistik). Disclaimer: ich war in der Schule nicht gut in Mathe. Ich hatte von der 7. bis zur 13. Klasse wöchentlich Mathenachhilfe und habe damit meistens eine 3 geschrieben, manchmal war auch eine 2 oder 4 dabei. Man könnte also sagen: mit genug Übung und Erklärung war ich so mittelmäßig.

Meine Statistikmodule im Bachelor habe ich mit 1,3 und 1,0 abgeschlossen, im Master mit 1,0 – immer ohne Nachhilfe. Und ich hatte vor dem Studium auch richtig Angst vor Statistik. Wie kam also diese Verbesserung? Zum einen habe ich mir richtig, richtig Mühe gegeben und vor den Klausuren sehr viel gelernt und auch Rechenaufgaben geübt, da wir vor allem in den Bachelorklausuren selbst Rechnungen durchführen mussten. Natürlich waren die Klausuren auch fair gestellt, deshalb kann ich auch nicht pauschal sagen, ob ihr super Noten schreiben könnt, wenn ihr nur viel übt. Was aber auch ein wichtiger Faktor ist: Statistik im Psychologiestudium ist ganz anders als Schulmathe! Das Einzige, was euch da wahrscheinlich aus der Schule begegnen wird ist Wahrscheinlichkeitsrechnung. Ansonsten ist dieses “logisch mathematische Denken” meiner Meinung nach dort nicht so ausgeprägt, man muss eigentlich nur wissen, welchen Test man anwenden muss und das wird anhand der Aufgabenstellung meist überdeutlich.

Also mein Plädoyer ist hier: bloß nicht wegen Statistik gegen das Studium entscheiden! Es gibt natürlich auch eine andere Seite, ich kenne auch Leute, die mehrfach durch die Statistikklausur geflogen sind und das Studium auch wegen Statistik abgebrochen haben, deshalb auch der Disclaimer am Anfang, dass das alles auf persönlichen Erfahrungen beruht. Falls ihr euch unsicher seid, könnt ihr euch mal ein paar Websites zu Statistik oder Youtube Videos anschauen.

Warum brauche ich Mathe und Forschungsmethoden, wenn ich hinterher Menschen therapieren will?

Vorweg gesagt: Psychologie ist mehr, als nur Menschen therapieren. Es gibt in der Psychologie so viele unterschiedliche Zweige, in der teilweise andere Methoden zum Einsatz kommen. Trotzdem sollte man auch als Psychotherapeut ein Grundverständnis von Statistik haben. Zum Beispiel könnte es ein neues Treatment geben, dass man selbst einmal an einem Patienten erproben will. Dafür ist es gut, wenn man sich erst einmal die Originalstudie durchliest und auch versteht, was dort überhaupt gemacht wurde und wie der Autor zu dem Ergebnis gekommen ist, dass das Treatment hilft. Und dafür braucht man eben Statistik und Forschungsmethoden. Mir hat dieses Wissen auch schon im Alltag geholfen, wenn ich zum Beispiel Studien zum Thema Ernährung gelesen habe. Übrigens – wie man Menschen therapiert lernt man erst in der 3-5 jährigen Psychotherapeutenausbildung, für die man einen Master of Science in Psychologie braucht. Wenn ihr Glück habt, lernt ihr, falls ihr das Modul klinische Psychologie habt, bereits ein wenig über die verschiedenen Therapieverfahren und Ansätze bei verschiedenen Störungen. Das macht aber maximal etwa ein Viertel des Studiums aus. Aber ich finde, das ist kein Grund gegen das Studium! Psychologie ist so viel mehr als nur Psychotherapie.

Hat das Studium deine Erwartungen erfüllt?

Ganz schwierig zu sagen. Ich habe vor dem Studium eigentlich versucht nicht so viele Erwartungen aufzubauen, ich wusste eben nur, dass es kein “Psychotherapie”-Studium ist und hatte Angst vor Statistik. In dem Fall habe ich also richtig positive Erfahrungen gemacht und bin sehr zufrieden mit dem Studium. Allgemein bin ich ziemlich realistisch an die Sache rangegangen und wusste zum Beispiel auch, dass man im Studium viel auswendig lernen muss. Manche haben die etwas weltfremde Vorstellung, dass der Dozent jede Woche einen Patienten mitbringt und die Studenten diesen dann therapieren müssen. Nur um allen die Illusion zu nehmen: das passiert definitiv nicht! Ich wusste also eigentlich, was mich erwartet und nach diesem Motto lief das Studium dann auch ab. Falls das Studium also vielleicht nicht so interessant ist, wie manche es sich erhoffen, liegt das eher an den Universitäten allgemein und lässt sich in allen anderen Studiengängen auch so finden. Also wenn ich mich nochmal entscheiden müsste, würde ich definitiv wieder Psychologie studieren. Die wichtigste Lektion ist eigentlich nur: realistisch bleiben. Ihr könnt euch dafür auch einfach mal in eine Vorlesung setzen, um herauszufinden, wie es in der Realität so aussieht.

Was willst du nach dem Studium machen?

Gute Frage, wüsste ich auch sehr gerne. Ganz ehrlich: ich habe absolut keine Ahnung. Ich weiß jedoch, dass ich die Psychotherapeutenausbildung nicht machen möchte, da ich nicht noch einmal 3-5 Jahre weiter investieren will, ohne Geld zu verdienen (während der Ausbildung verdient man nichts bzw. muss das wenige, was man in den Kliniken verdient, an das Ausbildungsinstitut zurückzahlen). Außerdem  gehen mir die Geschichten von Patienten immer sehr nahe, was ich bei einem Praktikum bei einer Psychotherapeutin erlebt habe, wo ich immer bei den Sitzungen dabei war. Als Psychotherapeut sollte man sich jedoch gut abgrenzen können. Momentan liegt mein Fokus eher auf Schulpsychologie oder im Personalwesen. Ich bin gespannt, was es letztendlich wird.

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