Mein Jahresrückblick & Tipps für bessere Vorsätze

Die Zeit zwischen den Jahren fühlt sich immer komisch an. Vor allem dieses Jahr, da ich das erste Mal seit 12 Jahren keine Kamera bei mir habe. Meine Neue ist zwar schon auf dem Weg zu mir und trifft voraussichtlich am 2. oder 3. Tag des neuen Jahres bei mir ein. Aber trotzdem fühlt es sich merkwürdig an, dass meine “Passion” gerade so auf Stillstand steht. Auf der anderen Seite steht es für einen tollen Neubeginn. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich eigentlich nicht unbedingt für einen Neubeginn bin, was das neue Jahr angeht. Allgemein stehe ich Neujahresvorsätzen eher kritisch gegenüber, obwohl ich mir jedes Jahr auch etwas vornehme.

Mein Jahr 2017

So hatte ich natürlich auch Vorsätze für 2017, sogar schriftlich auf einer Liste. Die habe ich für euch wieder rausgesucht – ich musste ziemlich lange suchen und hab sie irgendwo in der hinteren Ecke meines Zimmers gefunden, was das Ganze auch ziemlich gut repräsentiert. Denn: so viel vorgenommen und nichts davon verwirklicht. Auf dieser Liste steht: 5 kg abnehmen, 3-4 mal Sport pro Woche, wieder bewusster Essen, mehr für die Uni tun, mir endlich klar werden, was ich in Zukunft machen will. Was habe ich davon verwirklicht? Nichts. Absolut nichts, rein gar nichts. Stattdessen habe ich 6 weitere Kilos zugenommen, für die Uni lief dieses Jahr so rein gar nichts, meine Noten waren so schlecht wie nie in bisher 4 Jahren Studium, ich habe immer noch kein Praktikum gefunden, was mir Spaß machen könnte und generell absolut keine Ahnung, wo ich nach dem Master landen will. Dumm gelaufen, was?
Nein, ganz und gar nicht. Obwohl kein einziger Vorsatz verwirklicht wurde, hatte ich ein tolles Jahr. Dieses Jahr hat mir so viel beigebracht, ja, mich teilweise sogar zu einem völlig anderen Menschen gemacht. Was eigentlich auf meiner Vorsatzliste hätte stehen müssen: eine Passion finden, meine Schwerhörigkeit endlich akzeptieren, gelassener werden, das Glück in den kleinen Dingen finden, zufriedener werden.

Gutes Jahr, schlechtes Jahr?

Und diese Dinge sind tatsächlich passiert. Ich bin diesem Jahr so dankbar, dass es mich von meinen “Scheinvorsätzen” weggebracht hat und mir tatsächlich Dinge gebracht hat, die ich viel mehr gebraucht habe. Und dahinter steckt eine ganz wichtige Lektion: ich muss viel mehr in mich gehen und überlegen, was ich wirklich brauche. Natürlich sind da auch Sachen bei gewesen, mit denen ich niemals gerechnet hätte: von 400 auf 12.000 Instagram Abonennten kommen? Für einige Leute tatsächlich so etwas wie ein Vorbild sein? (Egal, ob es nun berechtigt ist.) BITTE?! Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Aber auch neben Instagram hat mir dieses Jahr so viele tolle Dinge gezeigt: ich bin offener geworden, was meine Behinderung angeht. Habe gelernt, auch wirklich mit anderen Menschen darüber zu reden. Zu sagen “Hey, sorry, aber das müsst ihr mir gleich nochmal aufschreiben, das kann ich hier nicht verstehen.” Zu verinnerlichen, das merkwürdige Reaktionen nicht mein Problem sind, sondern das Problem anderer. Und allgemein: ich gehe jeden Tag zufriedener und gelassener an. Bin mehr mit mir und meinen Fehlern im Reinen. Konzentriere mich mehr auf das Positive. Natürlich hat dieses Jahr auch viele Dinge mit sich gebracht, die eher nicht so toll waren. Hier kann ich euch nur das Video von der lieben Luiseliebt ans Herz legen: sie spricht hier von verschiedenen Perspektiven auf das Jahr, die mir nur so aus der Seele sprechen.

Allgemein lässt sich zusammen fassen: für meine geschriebenen Vorsätze ein absolut beschissenes Jahr. Für meine persönliche Entwicklung und meine Lebenseinstellung: ein wunderbares Jahr.

Der Konflikt mit den Vorsätzen

Die Zeit zwischen den Jahren war deshalb mit einer entscheidenden Frage verbunden: Will ich dieses Jahr überhaupt Vorsätze haben? Auf der einen Seite könnte man natürlich sagen: hat letztes Jahr absolut nichts gebracht, da kann man es doch gleich sein lassen. Aber auf der anderen Seite gibt es wirklich Dinge, die ich im neuen Jahr verwirklichen möchte. Also habe ich mir vorgenommen, auch dieses Jahr wieder Vorsätze mit in das neue Jahr zu nehmen. Aber diesmal etwas anders. Denn woran waren meine Vorsätze gescheitert? Daran, dass sie zu unrealistisch waren und für mich dann doch nicht so fundamental wichtig. Teilweise ist da auch ein Konflikt: ich will im Moment zum Beispiel gar nicht abnehmen, obwohl ich leichtes Übergewicht habe, da ich mich pudelwohl in meiner Haut fühle. Andererseits merke ich aber, dass ich morgens schlechter aus dem Bett komme, wogegen Sport unheimlich helfen würde. Aber 4 mal in der Woche Sport? Das schaffe ich momentan einfach nicht. Also habe ich mir jetzt vorgenommen, 1-2 mal in der Woche zum Sport zu gehen. Um in den ersten Wochen wieder auf den Geschmack zu kommen. Und dann: mal sehen. Der Grand Plan ist, dass ich wieder die Freude daran bekomme und Lust habe häufiger zu gehen. Genauso mit der Uni: endlich raus finden, was ich in Zukunft machen will, ist ein unrealistisches Ziel. Denn so etwas fällt im neuen Jahr nicht einfach vom Himmel, wenn man schon im alten Jahr keinen wirklichen Plan hatte. Also habe ich das Ganze jetzt etwas zurückgeschraubt: Bis 01.02. will ich 5 Praktikumsbewerbungen abgeschickt haben, auch wenn ich nicht weiß, ob mich das Praktikum wirklich interessiert. Denn es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und so bin ich mit mehreren Sachen verfahren, die mir so durch den Kopf spuken: herunterschrauben, Sachen mehr Realität hinzufügen, durchatmen. Das neue Jahr nicht wie das Damoklesschwert vor mir sehen, das jeden Moment droht auf mich niederzusausen. Nicht daran glauben, dass man nun zu einem neuen Menschen werden muss.

Meine Tipps für euch

Aus diesen scheinbar unendlichen Gedanken, die mir in den letzten Tagen durch den Kopf geschwirrt sind, haben sich ein paar entscheidende Punkte rauskristallisiert. Ich hoffe, diese Erkenntnisse / Tipps helfen euch wenigstens halb so gut wie mir.

1. Das Positive in 2017

Setzt auch mal hin und überlegt, was 2017 positiv war. Und nein, NICHT, was positiv und negativ war, sondern wirklich nur, was ihr positiv fandet! Schreibt euch diese Sachen auf oder verinnerlicht sie. Für Negatives sollte hier gerade kein Platz sein. Ich finde eine gute Einstellung direkt zu Beginn des neuen Jahres sehr wichtig. Von dem “Oh Gott, dieses Jahr muss ein Wunder geschehen!” Gedanken wegkommen. Das ist ein wichtiger Punkt, um den Druck etwas zu verringern.

2. Same old person

Sorry, wenn ich jetzt jemandem eine Illusion wegnehme: aber ihr werdet euch nicht sobald die Uhr Zwölf schlägt in einen neuen Menschen verwandeln. Das kommt noch nicht mal im Märchen vor. Ihr seid 2018 immer noch die gleichen Menschen, mit den selben Lastern, Ängsten usw. Ich möchte hiermit niemandem den Mut nehmen. Denn ihr geht ja auch mit euren Stärken, mit der wundervollen Person, die ihr seid in das neue Jahr. Aber vielleicht ist es sinnvoll, die Dinge etwas realistischer anzugehen. Haltet vielleicht kurz inne und fragt euch: “Könnte ich jetzt, noch im Jahr 2017, als der Mensch der ich gerade bin, diese Dinge umsetzen?” Lautet die Antwort “nein” oder ihr seid euch sehr unsicher, solltet ihr eure Vorsätze vielleicht überarbeiten bzw. etwas herunterschrauben. Ich will hier niemanden dazu überreden, wichtige Vorsätze aufzugeben, aber manchmal ist es besser kleinere Vorsätze zu erfüllen, als eure großen Vorsätze bereits am 2. Januar aufzugeben.

3. Entspannt euch.

Wenn ihr eure Vorsätze gebrochen habt, bedeutet das nicht gleich, dass alles verloren ist. Wenn es mit dem Sport in der ersten Woche noch nicht so klappt, dann kann das in der zweiten Woche noch etwas werden. Wichtig ist nur, dass ihr euch nicht selbst enttäuscht. Ich bin ein typisches Opfer des Neujahresblues. Das heißt, in den vergangenen Jahren habe ich mich den ganzen Januar lang schrecklich gefühlt, weil meine Vorsätze viel zu hoch geschraubt waren, nicht zu mir passten und ich mir die Schuld gegeben habe, wenn etwas nicht direkt funktioniert hat. Macht euch bewusst: es ist nur ein neues Jahr. Und was euch wirklich wichtig ist, das solltet ihr nicht auf das neue Jahr schieben. Damit kann man schon am 31.12. anfangen. Oder mitten im Jahr. Ihr seid niemanden gegenüber verpflichtet, noch nicht mal euch selbst. Macht euch von dieser Verpflichtung frei.

4. Der wichtigste Vorsatz

Einen Vorsatz, den ihr euch aber auf jeden Fall mit ins neue Jahr nehmen solltet und der gleichzeitig der Wichtigste ist: glücklich sein. Seid ihr glücklicher, wenn ihr noch der Mensch aus 2017 seid und 5 kg zu viel wiegt als wenn ihr vehement hungert? So be it. Ein neues Jahr bedeutet ein neues Jahr leben. Und das ist verschenkt, wenn man nicht glücklich ist.

In diesem Sinne: ich wünsche euch ein wundervolles Silvester mit euren Liebsten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
May 2018 be magical. Und wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm.

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